Überschwemmungen in China, Kälte in Südamerika und Hitze in Russland, die Medien sind angefüllt mit besonderen Wetterereignissen. Nicht nur aktuell, sondern seit Monaten: Der kalte Winter in Mitteleuropa, die Hitzewelle in Südamerika, die Überschwemmungen in vielen europäischen Ländern im Frühjahr und dann zuletzt die Hitzewelle in Deutschland. Zumeist sind diese Meldungen mit einem dramatischen Prä- oder Suffix, wie Rekord, Jahrhundert, Extrem oder Katastrophe versehen. Nun also die wahrscheinlich seit 1998 extremste Kältewelle in Südamerika, die größten Überschwemmungen in Chnas ebenfalls wohl seit 1998 und eine Jahrhunderthitze in Russland, die stärkste seit Aufzeichnungsbeginn. Dies führt natürlich sofort dazu, dass das eine als Beleg für und das andere gegen den Klimawandel verwandt wird. Lokales Wettergeschehen, wie der relativ kalte Winter in Deutschland löst einen Reflex aus: das kann doch bei einer Globalen Erwärmung nicht sein!
Das National Climatic Data Center der National Oceanic and Atmospheric Behörde der USA berichtet monatlich über die Entwicklung wichtiger globaler Klima-Indizes.
Da lohnt es sich angesichts der in Blogs von sog. Klimaskeptikern gerne verbreiteten Meldungen, die eine globale Erwärmung widerlegen sollen, wie beispielsweise monatelang sinkende Temperaturen oder wochenlang ein nicht rekordverdächtiges Schmelzen des Meereis, gelegentlich etwas genauer hin zu schauen, was denn diese Indizes zeigen.
Der Deutsche Wetterdienst meldet täglich neue Rekordwerte. In ganz Deutschland sind seit Anfang Juli für viele Orte schon mehrfach neue Tages- und Nachtrekordtempera-turwerte gemeldet worden. Ein netter Ausgleich für den seit vielen Jahren ersten richtigen langen Winter, den wir zum Anfang des Jahres erleben durften. Wobei: jedem das Seine! Sowohl für schwüle Hitze, als auch für klirrende Kälte gibt es Liebhaber. Ich gehöre zu ersteren. Doch beide Extreme sind bei uns zeitlich und räumlich begrenzte Ereignisse. Für das globale Klima haben sie alleinstehend keine Bedeutung, auch wenn es uns das immer wieder in Boulevardmeldungen suggeriert wird. Doch dabei werden Äpfel mit Birnen verglichen.
Nach brütender Hitze auf den Fanmeilen kam jetzt endlich etwas Abkühlung durch Schauer und Gewitter – zumindest stellenweise und am Rhein leider in wenig zu früh, so dass das etliche Public-Viewing-Veranstaltungen am Rhein abgebrochen werden mussten. Auch der Fernsehempfang wurde durch die Gewitter erheblich eingeschränkt. Doch die Hitzewelle in Mitteleuropa ist damit noch nicht zu Ende.
Ein wundervolles Sommerwetter begleitet das erneute Fußball-Sommermärchen. Für das Wochenende werden Temperaturen bis 37°C und die ersten Tropennächte erwartet. Nicht wirklich ungewöhnlich für die Jahreszeit, da es in den letzten 25 Jahren etwa alle 5 Jahre zu solch hohen Temperaturen schon Anfang Juli gekommen ist. In dem Ausmaß war dies aber zuletzt vor 50 Jahren der Fall. Doch dies ist nicht für alle Menschen märchenhaft: Die Rettungsdienste erwarten aufgrund der heißen Luft aus Afrika und 16 Stunden Sonnenschein für das Wochenende große Zahl von Hitzenotfällen. Und auch die Bauern rechnen mit Ernteausfällen, da seit Wochen ausreichende Niederschläge fehlen.
Da gab es noch weiße Weihnachten und richtigen Schnee. Alles war besser und jedes Jahr war so ein Winter wie der letzte, den ein ganze Generation zum ersten Mal erlebte konnte. Ist das eine verklärende Erinnerung? Aber meine ersten Söhne konnten noch regelmäßig im Winter Schlitten fahren. Der letzte hatte dazu keine Gelegenheit mehr. Ist dies nun eine Entwicklung? Verändert sich das Wetter?
Innerhalb der Gemeinde der sogenannten Klimaskeptiker ist die Methode der gezielten Auswahl von Daten sehr beliebt. Hinsichtlich des gewünschten Ergebnisses werden Daten nach Zeitabschnitten, Regionen oder sonstigen Kriterien selektiert und die Aussagen verallgemeinert. Das gewünschte Ergebnis, sei es bei gobalen oder regionalenTemperaturen oder bei Meereisschmelzkurven, dient als Beleg für das eigene Dogma. Nunmehr ist eine in den letzten Jahren sehr beliebte Selektion der Zeitreihen für die globale Erwärmung weggefallen. Zumindest wird es deutlich schwieriger, sie künftig als Beleg für klimaskeptische Aussagen anzuführen.
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Auf dem 5. ExtremWetterKongress diskutieren Wissenschaftler intensiv über die Folgen des Klimawandels für die Ballungsräume in Deutschland. Frank Böttcher, Leiter des Instituts für Wetter- und Klimakommunikation: „In den Sommermonaten müssen Ballungsräume in Zukunft vermehrt mit Starkregenereignissen rechnen, deren Wassermengen größer sind, als die Kapazitäten der Kanalisation.“ Da ein Großteil der das Klima beeinflussenden Emissionen aus den Ballungsräumen stammt, „tragen“ laut Böttcher „die Städte eine besonders große Verantwortung. Global betrachtet ist das starke Bevölkerungswachstum ein Aspekt, der sowohl die Klimaproblematik als auch die Umweltbelastung im täglichen Leben vor Ort betrifft. Mehr und mehr extreme Ballungsräume, so genannte Mega-Cities, entstehen weltweit. Die Umweltbelastung in diesen Mega-Cities ist enorm hoch, dies zeigt insbesondere die abnehmende Luftqualität. „Wir brauchen neue Methoden und Techniken, um mit diesem Problem umzugehen“, fordert Prof. Guy Brasseur, Direktor Climate Service Center am GKSS-Forschungszentrum Geesthacht. Das Climate Service Center ist neben dem Norddeutschen Klimabüro eine der Einrichtungen mit dem sich die Geesthachter Küstenforscher um die Erforschung der Klimafolgen bemühen.
Die Regionalen Klimabüros der Helmholtz-Gemeinschaft haben gemeinsam einen Regionalen Klimaatlas für Deutschland erarbeitet, der über die möglichen Veränderungen auf regionaler Ebene durch den Klimawandel informiert. Ab sofort stehen Klimaszenarien für die deutschen Bundesländer online zur Verfügung.
Wir hatten zum ersten Mal seit rund 30 Jahren einen richtigen Winter – zumindest bis Mitte Februar. Nun zeigen alle Zeitungen Frühlingsbilder. Jedes Grün wird abgelichtet und in den Fotoblogs der Zeitungen eingestellt. Bei den vergleichsweise großen Schneemassen hier bei uns vergessen viele, dass wir nicht der Mittelpunkt der Welt sind und der globale Durchschnitt ganz anders aussehen kann.


